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Imre Kertész
Roman eines Schicksallosen

zum Buch:
Jedes Jahr kommen neue Bücher über den Holocaust auf den Markt, immer noch scheinen viele Fragen in der Luft zu liegen, sobald es um das dunkelste Kapitel europäischer Geschichte geht. Wir können nach wie vor, weder mit unserem rationellen Verstand und noch weniger mit auf der Gefühlsebene, verstehen was vor mehr als 60 Jahren geschehen ist. Das unverständliche kommt sicher auch daher dass es noch nie in der Geschichte der Menschheit einen so perfekt Organisierten Massenmord gegeben hat, ein industrialisierte Massenmordmaschine.

Die hochgelobte menschliche Rationalität hat sich während des zweiten Weltkrieges in einen Alptraum verwandelt alle Errungenschaft, aller Fortschritt gegen die Menschlichkeit gerichtet.

Imre Kertész Roman übt sich nicht in den grossen Fragen, sondern beobachtete seinen Mikrokosmos, sein Schicksal, seine Erlebnisse, dabei ist ihm eines der ehrlichsten und berührentsten Dokumente über diese Zeit gelungen.

Kertész wurde 1929 in Budapest geborgen, 1944 kam er nach Auschwitz, kurz darauf nach Buchenwald und weiter in andere Konzentrationslager, 1945 wurde er aus Buchenwald befreit. Dieses Jahr bildet den Rahmen des Romans der damit beginnt wie sein Vater zum Arbeitslager abtransportiert wird und wie wenig später auch der Ich-Erzähler weggebracht wird. Dabei verlässt er nie die Sichtweise eines wohlerzogenen 14 jährigen der auch noch Verständnis für die Schergen die ihn in den Zug verfrachten hat. Er versucht zu verstehen dass es schwierig ist für so viele Menschen genügend Wasser aufzubringen und auch das es kaum zu Essen gibt, ist für ihn verständlich. Auch nach dem er bereits im Zugwaggon mit 59 weiteren Menschen steht, kniet oder sitzt, erliegt er dem Glauben vielleicht in Deutschland eine richtige Arbeit zu erhalten. In Auschwitz angekommen fragt er sich was wohl die Menschen in Häftlingskleider verbrochen hätten um kurze Zeit später in derselben Kleidung dazustehen. Mit den naiven Augen des 14 -jährigen der sich nicht vorstellen kann od. will dass ihm jemand etwas Schlechtes will wo er doch nichts unrechtes getan hat. Er fragt sich ob die Schornsteine die er weiter vorne im Lager bemerkt, vielleicht zu einer Lederfabrik gehören bis er eines besseren belehrt wird. Schnell hat er sich an das Lager leben gewöhnt und auch der Alltag den ein solches Lager mit sich bringt hat er sich bald einmal einverleibt. Das Schicksal will es dass er nach Buchenwald deportiert wird und von da aus in ein kleineres Arbeitslager, wo es keine Gaskammer gibt, erst als er krank und erschöpft ist wird er wieder zurück nach Buchenwald verlegt wird, befürchtet er nun doch in einer dieser Schornsteine zu enden, was nicht geschieht.

Nahe am Tod, möchte er doch noch einige Zeit weiterleben in diesem Lager und fast am Ende des Buches, nach seiner Freilassung, zurück in seiner Heimatstadt fühlt er eine gewisse Sehnsucht ein Heimweh nach dem geordneten Leben in diesen Lagern, weil das Leben welches im neu geschenkt wurde zu erst ergattert werden muss. Die KZs waren in den letzten Jahren sein Leben, dass war es was er kannte und alles was er jetzt zu Gesicht bekommt ist ihm Fremd, da er der Welt als Fremder gegenüber steht.

Imre Kertész beginnt 1960 mit der Niederschrift dieses Romans, erst 1975 konnte das Buch in Ungarn veröffentlicht werden, aber erst 1985 bekam es die verdiente Beachtung, ähnlich die Rezeption in Deutschland 1990 zum ersten Mal unter dem Namen Mensch ohne Schicksal veröffentlicht wurde das Buch erst nach einer Neuübersetzung 1995 und unter dem Titel Roman eines Schicksallosen vom breiten Publikum beachtet.
Es ist sicherlich kein leichtes Buch, da es in einem sehr neutralen und verständnisvollen Ton von den Erniedrigungen und Grausamkeiten in den Konzentrationslager berichtet, Kertész benutzt keine Superlative um die Geschehnisse besser verstehen zu können sondern berichtet nur was er sieht, fühlt und denkt.

Er entmystifiziert Auschwitz, Buchenwald und die andere Konzentrationslager und macht daraus einen Ort auf dieser Welt, einen Ort in der Geschichte dieser Welt. So als wären diese Lager nichts Unnatürliches gewesen und dies ist es was es noch grausamer Macht. Kertész macht aus den Lagern eine Heimat, in denen es sogar möglich ist etwas Glück zu finden, in kurzen Momenten inne zu halten und glücklich zu sein. Dabei beschönigt Kertész nichts, im Gegenteil durch die ehrliche Wiedergabe seiner Gefühle erschafft er eine grausame Wirklichkeit.

Autor:
Imre Kertész

Stil:
Roman

Veröffentlichungen:
Fiasko, Kaddisch für ein ungeborenes Kind
zum Autor:
Imre Kertész, geboren 1929 in Budapest, wurde 19444 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Seit 1953 lebt er in Budapest als freier Schriftsteller und Übersetzer (Nietzsche). Nebst dem Nobelpreis für Literatur (2002) wurde er mit weiteren Preisen ausgezeichnet. Die “Trilogie der Schicksallosigkeit“ umfasst neben dem Roman eines Schicksallosen, die Bücher Fiasko und Kaddisch für ein nicht geborenes Kind.

Besprechung: 12.12.2005 Pb

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12.12.2005 Pb; Update 18.12.2005 Pb Zurück
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